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How2-3DDruck-Anycubic

Aus Chaos Computer Club Chemnitz

Kurzhandbuch: Anycubic Kobra 3 mit Anycubic Slicer Next

Stand: Juli 2026 · Bezug: Kobra 3 / Kobra 3 Combo (mit ACE Pro), Anycubic Slicer Next (ASN)

1. Einrichtung des Slicers

1.1 Windows

  1. Installer von der offiziellen Anycubic-Seite laden. (https://www.anycubic.com/slicerNextDownload)
  2. Installations-Assistenten folgen
  3. Beim ersten Start dann den Erststart Assistent (siehe Schritt 2.) Durchlaufen

1.2 Linux — offiziell nur Ubuntu 24.04

Wichtig: Anycubic unterstützt unter Linux ausschließlich Ubuntu 24.04 LTS. Ausgeliefert wird ein .deb-Paket über ein eigenes APT-Repository. Kursierende AppImages und Flatpaks sind inoffizielle Community-Builds, die aus genau diesem .deb entpackt werden — sie funktionieren oft, sind aber weder supportet noch garantiert aktuell.

Offizieller Weg (Installer-Skript richtet das Repo ein):

/bin/bash -c "$(curl -fsSL https://cdn-universe-slicer.anycubic.com/install/AnycubicSlicerNextInstaller.sh)"

Oder das Repository manuell eintragen:

echo "deb [trusted=yes] https://cdn-universe-slicer.anycubic.com/prod noble main" \
  | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/anycubic-slicer-next.list
sudo apt update
sudo apt install anycubicslicernext

Updates laufen danach über den normalen Paketmanager:

sudo apt update && sudo apt install --only-upgrade anycubicslicernext

1.3 Linux — Distrobox (der Weg für alles außer Ubuntu 24.04)

Für NixOS, Arch, Fedora, Silverblue usw. ist ein Ubuntu-24.04-Container die sauberste Lösung: man bekommt das offizielle Paket mitsamt Update-Mechanismus, ohne das Host-System zu verbiegen.

# Container anlegen und betreten
distrobox create --name ubuntu-asn --image ubuntu:24.04
distrobox enter ubuntu-asn
(Statt ubuntu-asn kann auch ein anderer Name gewählt werden, er sollte jedoch kurz bleiben)

# Repository und Slicer installieren
sudo apt update && sudo apt install -y curl ca-certificates
echo "deb [trusted=yes] https://cdn-universe-slicer.anycubic.com/prod noble main" \
  | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/anycubic-slicer-next.list
sudo apt update
sudo apt install -y anycubicslicernext

In das Anwendungsmenü des Hosts exportieren:

distrobox-export --app AnycubicSlicerNext

Hinweise zum Container:

  • Distrobox nutzt das Host-Netzwerk — die Verbindung zum Drucker per IP funktioniert ohne Zusatzkonfiguration. (Bei reinem Docker/Podman: --network host setzen.)
  • G-Code-Dateien unter ~/ ablegen, das ist in beiden Welten sichtbar.

1.4 Leere Oberfläche / Werkbank bleibt weiß

Ein häufiges Linux-Problem außerhalb von Ubuntu: Der Setup-Assistent und insbesondere der Werkbank-Tab bleiben leer, obwohl die Anwendung startet. Betroffen sind typischerweise KDE-Plasma-Systeme und NVIDIA-GPUs.

Anycubic führt in den Release Notes einen behobenen sporadischen Weißbild-Fehler auf — vor allem anderen lohnt daher ein Update auf die aktuelle Version.

Ursache ist die eingebettete WebView, die über GLVND die falsche EGL-Implementierung wählt — kein Netzwerk- oder Firewall-Problem. Abhilfe:

__EGL_VENDOR_LIBRARY_FILENAMES=/usr/share/glvnd/egl_vendor.d/50_mesa.json AnycubicSlicerNext

Weitere Optionen, falls das nicht greift:

export WEBKIT_DISABLE_COMPOSITING_MODE=1
export WEBKIT_DISABLE_DMABUF_RENDERER=1
export LIBGL_ALWAYS_SOFTWARE=1     # letzter Ausweg, kostet 3D-Performance

Am besten dauerhaft in ein Wrapper-Skript bzw. in die .desktop-Datei (Exec=env ... AnycubicSlicerNext) eintragen.


2. Der Erste Start des Slicers und Verbinden des Druckers

2.1 Erststart-Assistent

Beim ersten Start läuft der Konfigurationsassistent:

  1. Get Started klicken
  2. Region wählen — für Deutschland Global (Wenn Global nicht angezeigt wird Europe -> APAC in dieser Reihenfolge versuchen)

  1. Teilnahme am Verbesserungsprogramm: Skip

  1. Nun bei den Druckermodellen erstmal alle mit Klick auf Keinen Abwählen damit nicht Unnötige Profile Installiert werden.

  1. Nun bei Druckermodell Kobra 3 mitsamt der 0,4mm Düse auswählen → Next

  1. Materialtypen wählen — Standard ist „alle" → Finish

2.2 Drucker Verbinden

Methode 1 — direkt per IP (der Weg für den Chaostreff-Drucker):

  1. Reiter Werkbank öffnen

Sofern noch KEIN Drucker Hinzugefügt wurde begrüßt euch nun folgendes Fenster:

  1. Drucker hinzufügen wählen
  2. Per IP verbinden wählen

  • Als Adresse 172.23.92.47 eintragen und bestätigen

Da die IP statisch vergeben ist, bleibt die Verbindung dauerhaft gültig. Dieser Weg ist der automatischen Suche vorzuziehen: Er umgeht die Broadcast-Erkennung vollständig und funktioniert damit auch dann, wenn im Netz Client-Isolation aktiv ist oder Multicast gefiltert wird.

Methode 2 — automatische Suche:

Slicer starten und einen Moment warten. Er durchsucht selbstständig das lokale Netz; erscheint der Drucker, auf Drucker verbinden klicken. Setzt voraus, dass Rechner und Drucker im selben Netzsegment liegen und Broadcasts durchkommen.

Verbindung prüfen: Werkbank → LAN-Drucker öffnen. Steht oben in der Kachel Drucker der Status Online steht die Verbindung. (Status "Busy" -> Verbindung Steht, jedoch läuft ein Auftrag bereits kann auch auftauchen und ist Unbedenklich.)


2.3 Troubleshooting: Drucker wird nicht gefunden

Anycubics eigene Empfehlung ist knapp: prüfen, ob Drucker und Rechner im selben Netz sind und ob die Kommunikation zwischen beiden blockiert wird. Praktisch abgearbeitet heißt das:

Schritt 1 — Grundlagen abhaken

  • Firmware und Slicer wirklich auf dem neuesten Stand?
  • LAN-Symbol oben rechts am Druckerdisplay sichtbar?
  • Statt der automatischen Suche den direkten Weg über Per IP verbinden (2.2) probiert? Das erledigt einen Großteil der Fälle sofort, weil keine Broadcasts nötig sind.

Schritt 2 — Erreichbarkeit testen

ping -c 3 172.23.92.47

# offene Ports ermitteln
nmap -Pn 172.23.92.47

Antwortet der Ping nicht, ist es ein reines Netzwerkproblem und der Slicer nicht die Ursache.

Schritt 3 — typische Blockaden

Ursache Abhilfe
Host-Firewall blockt eingehende Broadcasts Discovery-Ports für das lokale Subnetz freigeben
Drucker und Rechner in getrennten VLANs/Subnetzen gleiches Netzsegment herstellen
AP-/Client-Isolation am Access Point aktiv im AP deaktivieren — im Vereinsnetz der häufigste Stolperstein
Getrennte SSIDs für 2,4 und 5 GHz gemeinsames Segment bzw. Bridge nutzen
Slicer im Container ohne Host-Netz Distrobox nutzt das Host-Netz; bei Docker/Podman --network host

Beispielregeln für ufw:

sudo ufw allow from 172.23.92.0/24 to any port 1900 proto udp   # SSDP
sudo ufw allow from 172.23.92.0/24 to any port 5353 proto udp   # mDNS
sudo ufw allow from 172.23.92.0/24 to any port 8883 proto tcp   # MQTT/TLS

Belastbarkeit: Anycubic dokumentiert die verwendeten Ports nirgends. Die Werte oben stammen aus Community-Analysen und können sich je nach Firmware unterscheiden. Ein nmap-Scan gegen den Drucker ist verlässlicher als jede vorgefertigte Liste.

Die Tabelle betrifft ausschließlich die automatische Suche. Wenn die Verbindung per IP ebenfalls scheitert, obwohl der Ping durchgeht, liegt es an einem gefilterten Steuerport — dann helfen nur der nmap-Scan und ein Blick in die Firewall-Logs.

Schritt 4 — Fallback

Bleibt die Erkennung aus, funktioniert der USB-Stick-Weg (siehe 3.1.5.2) unabhängig vom Netzwerk immer.


3. Datei laden und slicen

Der Ablauf ist für ein- und mehrfarbige Drucke bis zum Slicen weitgehend identisch. Wer zum ersten Mal an dem Gerät steht, sollte zuerst einen einfarbigen Druck machen — die ACE bringt eine Reihe zusätzlicher Fehlerquellen mit, die man ohne Grundvertrauen in den Drucker schlecht auseinanderhalten kann.

3.1 Single-Color 3D Druck

3.1.1 Modell importieren

  • Wenn ihr den Slicer Startet müsst ihr auf Neues Projekt gehen erstmal bevor die unten genannten Schritte gelten.

  • Datei → Importieren oder Drag-and-drop von .stl, .3mf, .obj, .step.
  • .3mf bevorzugen, wenn verfügbar: Position, Skalierung und teilweise Druckeinstellungen sind darin enthalten.
  • Modell mit F auf die Plattform fallen lassen, mit R/S rotieren und skalieren.

3.1.2 Ausrichtung und Platzierung

  • Größte ebene Fläche nach unten — das reduziert Stützstrukturen und Haftungsprobleme deutlich.
  • Auto-Anordnen (Symbolleiste) für mehrere Objekte.
  • Bauraum Kobra 3: 250 × 250 × 260 mm. Beim Kobra 3 V2 sind es 255 × 255 × 260 mm — im Slicer das exakt passende Druckerprofil wählen. Große Teile mittig platzieren, nicht am Rand.

3.1.3 Profile wählen

Einstellung Empfehlung für den Einstieg
Prozess/Qualität 0.20 mm Standard
Filament Anycubic PLA bzw. passendes Herstellerprofil
Infill 15 % Gyroid
Wände 2–3 Perimeter
Support nur bei Überhängen > 50°, Typ „Baum (automatisch)"
Brim 5 mm bei kleiner Auflagefläche

3.1.4 Slicen und Vorschau prüfen

  1. Button Slice plate / Slicen ( oben rechts der mittlere button).

  1. In die Vorschau wechseln und mit dem Layer-Slider prüfen:
    • Ist die erste Schicht lückenlos?
    • Sitzen Supports dort, wo sie sollen?
    • Gibt es unerwartete Leerstellen (meist ein defektes Mesh)?

  1. Druckzeit und Materialverbrauch kontrollieren. Eine Schätzung wird euch vom Slicer Angezeigt.

WICHTIG: Es muss immer eine Person im Space sein, während ein Druck läuft!

3.1.5 Übertragung

3.1.5.1 Druck via Netzwerk

Wenn alles In Ordnung ist:

  • Auf Drucken klicken. Daraufhin öffnet sich folgendes Fenster:

  • Hier könnt ihr noch Bed-Leveling, Resonanzkompensation, Flusskalibrierung Ein-/Ausschalten. Für den Normalen Betrieb reicht es, wenn nur Bed-Leveling Aktiviert ist
  • Mit einem Klick auf Druck Starten wird dann der Druck an den Drucker gesendet
3.1.5.2 Druck via USB-Stick

Der Fallback, wenn das Netzwerk nicht mitspielt:

  • Im Slicer statt Drucken die Option G-Code exportieren wählen
  • Stick muss FAT32 formatiert sein (exFAT und NTFS werden nicht gelesen)
  • Stick am Drucker einstecken, am Display den Dateimanager öffnen und die Datei starten

3.2 Mehrfarbdruck mit der Anycubic Color Engine (ACE Pro)

3.2.1 Was die ACE ist und was sie nicht kann

Die ACE Pro ist die Mehrfarb-Einheit neben dem Drucker: vier Filamentplätze, eine aktive Trocknung und eine Automatik, die beim Farbwechsel das alte Filament zurückzieht und das neue einschiebt. Sie ist kein eigenständiges Gerät — ohne den angeschlossenen und eingeschalteten Kobra 3 lässt sich auch die Trocknung nicht starten.

Grundsätzlich verstehen: Der Kobra 3 hat eine einzige Düse. Bei jedem Farbwechsel muss die alte Farbe komplett aus dem Hotend gespült werden, bevor die neue sauber kommt. Das kostet Zeit und Material — und zwar deutlich mehr, als die meisten beim ersten Mal erwarten. Ein vierfarbiges Modell kann leicht mehr Filament in den Abfall spülen als ins Werkstück.

Details
Plätze 4 pro ACE. Acht Farben brauchen zwei ACE-Einheiten plus einen Hub — mit einer Einheit ist bei vier Farben Schluss.
Aus der ACE druckbar PLA, PETG, ABS, ASA, PET, PA, PC, PP
NICHT aus der ACE druckbar TPU und HIPS. Beide kann die ACE zwar trocknen, aber nicht ins Hotend fördern. TPU läuft ausschließlich einfarbig über den Spulenhalter hinten am Drucker.
Problemfall Mattes PLA. Anycubic räumt selbst Kompatibilitätsprobleme ein; in der Praxis löst mattes PLA reihenweise falsche Verhedderungs-Warnungen aus. Wenn es sich vermeiden lässt: einfarbig über den hinteren Halter drucken.
Trocknung bis ca. 55 °C, auch während des Drucks (max. 24 h am Stück)

3.2.2 Spulen: was rein darf

Nicht jede Spule passt mechanisch in die ACE. Bevor ihr eine fremde Rolle einlegt, kurz nachmessen:

  • Außendurchmesser: 195–200 mm
  • Spulenbreite: 60–68 mm
  • Wandstärke: 3–3,5 mm

Pappspulen möglichst vermeiden. Anycubic empfiehlt ausdrücklich Kunststoffspulen — Pappe rutscht in der Halterung, läuft unrund und reibt Papierstaub ab, der sich in der Mechanik sammelt. Wenn es nur die Papprolle gibt, gibt es gedruckte Adapterringe, die man drüberzieht.

3.2.3 Filament einlegen

  1. ACE einschalten bzw. sicherstellen, dass der Drucker läuft — ohne ihn reagiert die ACE nicht.
  2. Spule in einen freien Platz einlegen, Laufrichtung beachten (Filament muss nach vorn zum Einzug zeigen).
  3. Filamentende gerade abschneiden und leicht anspitzen. Ein krummes oder verdicktes Ende ist mit Abstand die häufigste Ursache für „Einzug fehlgeschlagen".
  4. Filament in die Einzugsöffnung des Platzes schieben, bis der Motor greift und selbstständig weiterzieht.
  5. Am Display prüfen, ob der Platz nun als belegt angezeigt wird.

Anycubic-Filament mit RFID-Tag wird automatisch mit Typ und Farbe erkannt. Fremdfilament muss von Hand zugewiesen werden — Material und Farbe am Display oder im Slicer für den jeweiligen Platz eintragen. Wer das vergisst, bekommt beim Slicen falsche Temperaturen und im Modell die falsche Farbe an der falschen Stelle.

Hinweis für den Space: Weil hier verschiedene Leute Filament einlegen, lohnt es sich, die Belegung der vier Plätze festzuhalten — entweder konsequent am Display pflegen oder ein Schild an der ACE. Nichts ist ärgerlicher als ein sechsstündiger Vierfarbdruck in den falschen Farben.

3.2.4 Trocknen

Feuchtes Filament ist in der ACE schlimmer als am offenen Halter: Es quillt leicht auf, wird spröde und verhakt sich in den Bowdenschläuchen. Die Trocknung wird am Druckerdisplay gestartet, nicht im Slicer.

Grobe Richtwerte:

Material Dauer
PLA 6–8 h
PETG 6–8 h
PA / PC (feuchtigkeitsempfindlich) 12 h und mehr

Die Trocknung kann parallel zum Druck laufen. Sie ersetzt aber keinen richtigen Trockner für stark durchfeuchtetes Material — sie hält trockenes Filament trocken, statt nasses zu retten.

3.2.5 Im Slicer: Plätze zuordnen

  1. Sicherstellen, dass im Slicer das Druckerprofil mit ACE aktiv ist (Kobra 3 Combo bzw. Kobra 3 mit aktivierter ACE). Ohne das gibt es keine Mehrfarb-Optionen.
  2. In der Filamentleiste erscheinen jetzt vier Slots. Jedem Slot das Material zuweisen, das physisch in der ACE steckt.
  3. Bei bestehender Netzwerkverbindung lässt sich die Belegung vom Drucker synchronisieren — das ist der sicherste Weg, weil dann Slicer und Gerät garantiert dasselbe meinen.
  4. Farbe je Slot setzen. Die Farbe im Slicer ist reine Anzeige, aber sie ist die einzige Orientierung beim Zuweisen am Modell — also ehrlich einstellen.

3.2.6 Farben am Modell vergeben

Es gibt drei Wege, und sie lassen sich kombinieren:

  • Ganzes Objekt: Objekt anwählen und ihm einen Slot zuweisen. Der einfachste Fall bei mehrteiligen Baugruppen auf einer Platte.
  • Farbe malen: Werkzeug zum Bemalen der Oberfläche. Damit lassen sich Schriftzüge, Logos und Flächen einfärben. Vorsicht: Es färbt Flächen ein, nicht Volumen — was innen liegt, bleibt in der Grundfarbe.
  • Höhenbereich: Farbwechsel ab einer bestimmten Schicht. Der günstigste Mehrfarbdruck überhaupt, weil pro Wechsel nur einmal gespült wird statt in jeder Schicht.

Sparsam bleiben lohnt sich: Farben, die über die ganze Bauhöhe hinweg abwechselnd auftauchen, erzwingen in jeder einzelnen Schicht einen Spülvorgang. Ein Motiv, das nur auf den obersten Millimetern liegt, ist um ein Vielfaches schneller und billiger als dasselbe Motiv über die volle Höhe verteilt.

3.2.7 Wischturm und Abfall

Beim Slicen mehrfarbiger Modelle braucht es einen Wischturm (Prime Tower / Spülturm) — einen Hilfskörper neben dem Werkstück, in den nach jedem Wechsel die Restfarbe abgestreift wird.

  • Wischturm aktiviert lassen. Ohne ihn landen Farbreste im Werkstück.
  • Position so wählen, dass er das Modell nicht berührt und nicht am Rand des Betts klebt. Er ist hoch und schmal und kippt gern — bei sehr hohen Drucken den Durchmesser erhöhen.
  • Das Spülvolumen bestimmt, wie viel abgestreift wird. Faustregel: Dunkel nach Hell braucht deutlich mehr als Hell nach Dunkel. Schwarz nach Weiß ist der teuerste Wechsel überhaupt; wer die Reihenfolge planen kann, spart erheblich.
  • Der ausgeworfene Abfall („Poop") fällt hinten aus dem Drucker. Vor jedem Mehrfarbdruck einen Behälter darunter stellen und vorher leeren — bei einem größeren Vierfarbdruck kommen schnell hunderte Gramm zusammen, und ein überlaufender Haufen kann den Auswurf verstopfen.

3.2.8 Drucken und was dabei anders läuft

Der Versand an den Drucker ist identisch zu 3.1.5. Zusätzlich gilt:

  • Druckzeit realistisch einschätzen. Ein Farbwechsel dauert grob eineinhalb Minuten. Bei tausend Wechseln sind das über 24 Stunden, die nur mit Umschalten vergehen. Die Schätzung des Slicers vor dem Absenden ernst nehmen.
  • Die ersten Wechsel im Blick behalten: Kommt die neue Farbe am Wischturm sauber durch, bevor das Werkstück wieder an der Reihe ist?
  • Auch hier gilt: Während des Drucks muss jemand im Space sein.

3.2.9 Filament wechseln und entnehmen

  • Entladen immer über das Menü am Display anstoßen, nie das Filament von Hand aus der ACE ziehen — im Bowdenzug sitzt es fest und man reißt es ab.
  • Nach dem Entladen das Ende prüfen: verformte oder mit einem „Pilzkopf" versehene Enden verklemmen sich beim nächsten Einlegen. Sauber abschneiden.
  • Filamentreste, die im Schlauch stecken geblieben sind, lassen sich nach Abziehen des jeweiligen PTFE-Schlauchs herausdrücken.

3.2.10 Typische ACE-Probleme

Symptom Wahrscheinliche Ursache Abhilfe
Einzug schlägt fehl, Motor dreht durch Filamentende krumm, verdickt oder abgeflacht Ende gerade abschneiden und anspitzen, erneut einführen
Falsche Verhedderungs-Warnung mattes PLA oder Pappspule anderes Filament nutzen, Adapterring drucken, notfalls einfarbig über hinteren Halter
Slot 3 oder 4 zickt beim Laden bekannte Schwäche der ersten ACE-Pro-Generation mehrere Versuche, problematische Farben bevorzugt auf Slot 1 und 2 legen
Farben im Druck vertauscht Slot-Zuweisung im Slicer weicht von der tatsächlichen Belegung ab Belegung vom Drucker synchronisieren statt von Hand raten
Farbe „blutet" ins Werkstück Spülvolumen zu gering, Wischturm deaktiviert Wischturm aktivieren, Spülvolumen erhöhen (besonders dunkel → hell)
Auswurf verstopft, Druck bricht ab Abfallbehälter voll vor jedem Mehrfarbdruck leeren
Filament reißt im Schlauch feuchtes oder sprödes Filament Trocknung laufen lassen, sehr altes Filament aussortieren
ACE reagiert überhaupt nicht ACE braucht den Drucker Drucker einschalten, Signalkabel prüfen

Belastbarkeit: Materialfreigaben, Spulenmaße und die Empfehlung gegen Pappspulen stammen aus Anycubics eigener Dokumentation. Die Angaben zu Wechseldauer und den Ladeproblemen von Slot 3/4 sind Community-Erfahrungswerte und können vom eigenen Gerät abweichen.


4. Drucküberwachung

4.1 Über den Slicer

Im LAN-Modus stehen laut Anycubic Druckauftrag senden, Fortschrittsabfrage und Videoüberwachung lokal zur Verfügung — die Kameraüberwachung funktioniert also ohne Cloud und ohne Account. Zu finden ist der Drucker unter Werkbank → LAN-Drucker.

Verfügbare Anzeigen und Bedienelemente:

  • Fortschritt in Prozent, aktuelle Schicht, Restzeit
  • Ist-/Soll-Temperaturen von Düse und Bett
  • Lüfter- und Geschwindigkeitsregelung (Flow/Speed live anpassbar)
  • Pause, Fortsetzen, Abbrechen
  • Kamerabild, sofern die Kamera aktiviert ist

4.2 Am Drucker selbst

Der Touchscreen bietet dieselben Steuerfunktionen — Fortschritt, Temperaturen, Pause und Abbruch — und ist unabhängig vom Netzwerk verfügbar. Im LAN-Only-Modus ist er die einzige Alternative zum Slicer.

4.3 Was in den ersten Minuten zu prüfen ist

Die ersten zwei bis drei Schichten entscheiden über den gesamten Druck — dabei am Gerät bleiben:

  1. Wird die erste Schicht gleichmäßig aufgetragen, ohne Lücken und ohne dass Material vom Bett geschoben wird?
  2. Kein Klicken aus dem Extruder (Hinweis auf zu geringen Düsenabstand oder Filamentproblem)?
  3. Haften die Ränder überall an?

Bei Mehrfarbdrucken zusätzlich: Läuft der erste Farbwechsel sauber durch und steht der Wischturm stabil?

Bricht die Netzwerkverbindung während des Drucks ab, läuft der Druck normal weiter — er wird vom Drucker selbst ausgeführt, nicht gestreamt. Nur die Überwachung fehlt dann.


5. Häufige Probleme und Abhilfen

5.1 Druck löst sich vom Bett

Das mit Abstand häufigste Problem. In dieser Reihenfolge vorgehen:

a) Druckplatte reinigen

Die PEI-beschichtete Federstahlplatte verliert ihre Haftung fast ausschließlich durch Hautfette. Mit warmem Wasser und Spülmittel abwaschen, gründlich abtrocknen. Isopropanol allein löst Fett nur unzureichend — es verteilt es eher. Die Platte danach nur noch an den Rändern anfassen.

b) Z-Offset korrigieren

Zu großer Abstand ist die zweithäufigste Ursache. Am Drucker: Einstellungen → Nivellierung → Z-Offset. Während der ersten Schicht in 0,02-mm-Schritten nachjustieren, bis die Bahnen leicht abgeflacht und seitlich miteinander verbunden sind. Runde, freistehende „Würstchen" bedeuten: zu weit weg.

c) Automatische Nivellierung neu ausführen

Vor dem Leveling: Düse säubern (aufgeheizt, mit Messingbürste). Ein Filamentklumpen an der Düse verfälscht die Messung (LeviQ 3.0 mit automatischem Z-Offset) und macht das gesamte Bett-Mesh unbrauchbar.

d) Temperaturen anheben

Empfohlene Temperaturen:

Material Düse Bett
PLA 200–220 °C 60 °C
PETG 240–265 °C 75–85 °C
TPU* 220–235 °C 50–60 °C

* = Bitte OHNE ACE Drucken

Erste Schicht: Bett um 5 °C höher als der Rest.

Bitte Beachtet hierbei jedoch die Spezifikationen des von euch genutzten Filaments, meist steht auf der Spule die Ideale Drucktemperatur als Bereich.

Anycubic gibt für den Kobra 3 offiziell PLA, PETG und TPU frei — der Drucker ist offen gebaut, für ABS/ASA kann man den Drucker dank der DIY Einhausung teilweise nutzen. TPU nur einfarbig, nicht über die ACE Pro.

Maximalwerte: Düse 300 °C, Bett 100 °C.

e) Erste Schicht verlangsamen

Im Prozessprofil unter Geschwindigkeit die erste Schicht auf 20–30 mm/s setzen. Bauteillüfter für Schicht 1 auf 0 %.

f) Haftfläche vergrößern

Brim mit 5–8 mm Breite hinzufügen, bei stark schrumpfenden Materialien zusätzlich Mouse Ears (kleine Scheiben an den Ecken).

g) Zugluft eliminieren

Offene Fenster, Klimaanlage oder ein danebenstehender Lüfter verursachen Warping — insbesondere bei PETG. Zwar ist der Drucker eingehaust, jedoch gilt: "Je weniger Zugluft um so Besser".

h) Klebstoff als letztes Mittel

Ein dünner Auftrag Klebestift (PVA) hilft bei problematischen Materialien. Bei PETG umgekehrt: Klebestift dient als Trennmittel, da PETG sonst so stark haftet, dass die PEI-Beschichtung beim Ablösen ausbricht.

5.2 Weitere typische Probleme

Symptom Wahrscheinliche Ursache Abhilfe
Drucker im Slicer nicht auffindbar Broadcast-Erkennung blockiert über Per IP verbinden mit 172.23.92.47 koppeln
Verbindung bricht ständig ab WLAN-Signal am Aufstellort zu schwach, Client-Timeout am AP Signalstärke prüfen, nach Möglichkeit LAN nutzen
Extruder klickt Düse verstopft, Z-Offset zu niedrig, Temperatur zu gering Cold Pull, Z-Offset erhöhen, Temperatur +10 °C
Stringing / Fäden Feuchtes Filament, Retraction zu gering Filament trocknen (PLA 45 °C/6 h), Retraction 0,8–1,2 mm
Schichtverschiebung Riemenspannung, Kollision mit Warping-Ecke Riemen prüfen, Beschleunigung reduzieren
ACE Pro erkennt Filament nicht RFID-Tag fehlt bei Fremdfilament Material manuell im Slot zuweisen (siehe 3.2.3)
Werkbank-Tab / Wizard bleibt weiß EGL-Vendor-Auswahl der WebView (KDE, NVIDIA) zuerst Slicer aktualisieren, sonst __EGL_VENDOR_LIBRARY_FILENAMES setzen (siehe 1.4)
Installation schlägt fehl (Arch, Fedora, NixOS) offiziell nur Ubuntu 24.04 seitens Anycubic supported. Distrobox mit ubuntu:24.04 statt AppImage/Debtap
3D-Ansicht schwarz GPU-Treiber/Container-GL LIBGL_ALWAYS_SOFTWARE=1 setzen

Weitere ACE-spezifische Probleme siehe 3.2.10.

5.3 Wartungsroutine

  • Vor jedem Druck: Blick auf Plattensauberkeit und Düse
  • Vor jedem Mehrfarbdruck: Abfallbehälter hinter dem Drucker leeren
  • Alle ~50 Stunden: Linearführungen reinigen und leicht ölen, Riemenspannung prüfen
  • Alle ~200 Stunden: Düse tauschen (Messing verschleißt schnell bei gefüllten Filamenten)
  • Bei Materialwechsel: Temperaturturm oder zumindest ein kleiner Testwürfel


5.3.1 Druckplatte Reinigen

  • Es Empfiehlt sich, vor jedem Druck einmal mit Isopropanolalkohol die Druckplatte kurz Sauber zu machen.
  • In Regelmäßigen Intervallen, sollte man jedoch eine "Große" Reinigung der Druckplatte machen.

Dazu:

  • Druckplatte vom Bett abnehmen
  • Unter Wasser mit Seife und Schwamm abwaschen
  • Platte Abtrocknen
  • Platte wieder aufs Bett legen (Die Platte kann hinten gerade Ausgerichtet werden und einfach losgelassen werden, da diese Magnetisch am Bett haftet.)
  • Vor dem Druck nochmal mit Isopropanol sämtliche Seifenreste entfernen

6. Schnellreferenz

Drucker-IP        172.23.92.47
Verbindungspfad   Werkbank → Drucker hinzufügen → Per IP verbinden
Bauraum           250 × 250 × 260 mm
Standarddüse      0,4 mm
Max. Düsentemp.   300 °C
Max. Betttemp.    100 °C
Discovery-Ports   UDP 1900 (SSDP), UDP 5353 (mDNS)
Steuerung         TCP 1883 / 8883 (MQTT)
USB-Fallback      FAT32, ≤ 32 GB

ACE Pro
  Plätze          4 (8 Farben nur mit 2 Einheiten + Hub)
  Nicht druckbar  TPU, HIPS (Trocknung ja, Förderung nein)
  Problemfall     mattes PLA, Pappspulen
  Spulenmaße      Ø 195-200 mm, Breite 60-68 mm, Wandstärke 3-3,5 mm
  Trocknung       bis ca. 55 °C, max. 24 h, Start am Display

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